Suderwick hat endlich eine eigene Kindertagesstätte

Der Heimatverein Suderwick und die Bürgerinitiative Dinxperwick haben ihr Ziel erreicht

Erstmals in seiner Geschichte hat Suderwick seit September 2023 eine eigene Kindertagesstätte (Kita „St. Michael Suderwick“). Sie ist dem Einsatz des Heimatvereines und der Bürgerinitiative Dinxperwick zu verdanken. Sie wurde notwendig, weil immer weniger Suderwicker Kinder die Basisschulen in Dinxperlo besuchten. Im gleichen Gebäudekomplex am Kerkpatt neben der Turnhalle betreibt der Caritasverband Bocholt ein Familienzentrum.

Unter dem Dach des Heimatvereins Suderwick und der Bürgerinitiative Dinxperwick beschäftigten sich Einwohner mit der Zukunft ihres Dorfes. Sie erkannten, dass die meisten Suderwicker Kinder anstatt wie in früheren Zeiten in die Dinxperloer Basisschulen zu gehen, auf Kitas in den Bocholter Nachbardörfern auswichen. Das war nicht nur ein großer Nachteil für junge Suderwicker Familien, sondern auch für unser Dorf.

Um die Kindertagesstätte mussten die Suderwicker lange und hart kämpfen. Sie ist einmal mehr ein gutes Beispiel dafür, wie Bürgerinnen und Bürger durch Einsatz und Durchhaltevermögen viel für ihr Dorf erreichen können.

Die Initiatoren für die Kita, der Heimatverein Suderwick und die BI Dinxperwick, bedankten sich bei der Stadt Bocholt und der Kirchengemeinde St. Georg Bocholt als Träger der Kita mit einem Buchenbaum und einer Plakette.

Wie entstand die Initiative für die neue Kita?

Die Initiative für eine neuen Kita entstand aus dem europäischen Projekt „KRAKE Krachtige Kernen / Kräftige Kerne“, in dem der Heimatverein Suderwick und die Bürgerinitiative Dinxperwick in den Jahren 2018 und 2019 Kooperationspartner waren. Insgesamt 40 deutsche und niederländische Gemeinden hatten im Rahmen dieses Projektes ihre Einwohner aufgerufen, sich mit der Zukunft ihres Dorfes zu beschäftigen. Eine der Fragen, die man sich für Suderwick stellte war: Wie wird ein Dorf, in dem die Grundschule geschlossen wurde und eine Kindertagesstätte fehlt für junge Familien attraktiver?

Es wurde erkannt, dass wohl überwiegend aus Gründen unterschiedlicher Bildungssysteme immer weniger Suderwicker Kinder wie früher in die Dinxperloer Basisschulen gingen. Die „Versorgung der Suderwicker Kinder auf der anderen Seite der Grenze“ war jahrzehntelang ein Vorzeigeobjekt für die gute grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Dinxperlo und Suderwick. Die Suderwicker Kinder wuchsen hierdurch spielerisch zweisprachig auf, hatten bessere Aussichten für den späteren Besuch niederländischer Hochschulen und größere Perspektiven bei ihrer Berufswahl. Ein Kindergarten für Suderwick war in dieser Zeit nie ein ernsthaftes Thema. Das änderte sich, als man feststellte, dass schon seit einigen Jahren die meisten Suderwicker Kinder Kindertagesstätten in Spork, Holtwick und Lowick oder anderswo besuchten, weil es ja in Suderwick keine Kindertagesstätte gab.

Man sah hierin – wie auch schon bei der Schließung der Suderwicker Grundschule in 2010 – einen großen Nachteil für die Suderwicker Kinder hinsichtlich ihrer Bildung und sozialen Entwicklung. Eine wichtige Bindung der Kinder und Familien zum Sozialraum Suderwick war erheblich erschwert und die in den Nachbarorten hervorragend funktionierende Einbindung der Kindertagesstätten in Gemeindeaktivitäten fehlte in Suderwick völlig. Für Eltern und Kinder war es in Suderwick sehr schwierig, Kontakte im sozialen Umfeld der Familien zu knüpfen und zu pflegen, weil sich Eltern und auch die Kinder im Ort kaum kannten. Das war auch von Nachteil für den späteren Übergang in eine der in Frage kommenden Grundschulen im restlichen Stadtgebiet, weil die Eltern oft nicht wussten, welche Kinder in welcher Grundschule angemeldet wurden. Außerdem konnten wegen der fehlenden Ortsnähe einer Kindertagesstätte Mütter und Väter ihre Aufgaben in der Familie und eine Erwerbstätigkeit nicht gut miteinander vereinbaren. Weil die Kinderbetreuung fehlte, zogen oft junge Familien nicht nach Suderwick. Es drohte eine Vergreisung des Dorfes.

Es war ein schwieriger Weg, die Stadt zu überzeugen

Aus den vorgenannten Gründen beantragten der Heimatverein und die Bürgerinitiative Dinxperwick in 2018 als erstes, bei der Stadt Bocholt, die städtische Fläche am Kerkpatt neben der Turnhalle in Suderwick für eine Kindertagesstätte zu reservieren und nicht für eine Wohnbebauung zu veräußern. Die Reservierung sollte solange Bestand haben, bis endgültig geklärt sei, ob in Suderwick ein Bedarf besteht oder entstehen wird. Schon nach der Schließung der Grundschule hat der Heimatverein vergebens beantragt, das ehemalige Schulgelände auf der anderen Seite der heutigen Kita für einen Bedarf für eine Mehrgenerationenwohnanlage oder eine Kindertagesstätte freizuhalten und nicht zu bebauen.

Die Stadt Bocholt sah zuerst keinen Bedarf für die Einrichtung in Suderwick. Man war der Meinung, dass bei ihrer Jugendhilfeplanung die Kinder, die im Ortsteil Suderwick lebten, in vollem Umfang in die Planungen einbezogen würden, so dass auch für Kinder aus Suderwick Plätze in den Tageseinrichtungen in Bocholt bereitstehen würden. Die Eltern aus Suderwick hätten wie alle Eltern aus Bocholt die Möglichkeit, dort ihren Betreuungsbedarf anzumelden. Eine eigene Einrichtung in Suderwick würden die Zahlen der dort wohnenden Kinder nicht hergeben.

Hiermit gab sich die Projektgruppe nicht zufrieden. Man sammelte Argumente, Fakten und Zahlen, die in umfangreichen und intensiven Fragen an das Jugendamt und letztendlich doch noch in einen kooperativen Meinungsaustausch mit der Stadt mündeten. Man konnte sie schließlich überzeugen und es kam erfreulicherweise zu einer Kehrtwende. Die Projektgruppe „Kindergarten für Suderwick“ bestand übrigens aus Margot Siemkes, Ingrid Rappers, Bärbel Jungkamp, Wilfried Elting, Christian Hülskamp-Seesing und Johannes Hoven.

Unterstützt wurde die Suderwicker Initiative durch die SPD-Fraktion und CDU-Fraktion im Rat der Stadt Bocholt, die auch eine Kita für Suderwick für notwendig hielten. Letztere Fraktion stellte sogar erfolgreich den zusätzlichen Antrag, dass die Kita durch ein Familienzentrum ergänzt werden sollte. Dieses befindet sich inzwischen im Anbau der neuen Kita und wird vom Caritasverband Bocholt betrieben.

Das Architekturbüro Derksen und Ritte aus Bocholt hat ein sehr schönes Gebäude mit vielen Giebeln kreiert. Entstanden ist ein „freundliches Dorf für Kinder“ im Dorf Suderwick.

Die Baupläne hierzu und noch weitere Informationen entnehmen Sie gerne einem Beitrag aus 2021 auf DINXPERWICK.INFO unter  https://dinxperwick.info/de/aktueller-sachstand-kita-familienzentrum-suderwick/.

Buche als Danke an die Projektgruppe, die Stadt Bocholt mit seinen politischen Gremien, die Kirchengemeinde St. Georg und den Caritasverband Bocholt

Als Danke und Erinnerung an alle, die die Kindertagesstätte mit Familienzentrum in Suderwick schließlich doch noch möglich gemacht haben, hat der Heimatverein Suderwick der Kirchengemeinde zur Einweihung eine Buche geschenkt und vor dem schmucken Gebäude eine Buche gepflanzt. Die BI Dinxperwick schenkte eine Plakette, die an die Anfänge der Bemühungen im Rahmen des europäischen Projekts „KRAKE“ erinnert.

Mit der geschenkten Buche und einer „Heimatbox“ verbundene Wünsche des Heimatvereins für die Zukunft

Die Buche ist der Wappenbaum der Stadt Bocholt und symbolisiert Gelassenheit und Ruhe. Sie steht für Klarheit, Ordnung und schenkt uns Orientierung. Der Buchenbaum vermittelt uns Geborgenheit und inneren Frieden. Er wurde mit dem Wunsch gepflanzt, dass sich viele Menschen und besonders Kinder sich an diesem Baum erfreuen mögen.

Außerdem schenkte der Heimatverein der Kita eine vom Heimatministerium herausgegebene „Heimat-Box“. Sie soll den Kindern spielerisch den Blick für unsere weitere Heimat öffnen, die eine Fülle von Eindrücken und persönlichen Abenteuern für junge Entdeckerinnen und Entdecker bietet. Besonders auch hier in unserem „europäischem Dorf Suderwick. Kinder sind die, die unsere Heimat morgen gestalten. Sie dafür zu begeistern bedeutet, jeden Tag unser Miteinander und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Gerne hilft auch der Heimatverein Suderwick dem homogen und frisch wirkendem Team der Kita, dieses schöne Ziel zu erreichen. Viel Glück hierbei!

Wer sich durch diesen Beitrag bewogen fühlt, sich auch für die Zukunft von Suderwick und insbesondere unsere Familien einzusetzen, kann sich gerne beim Heimatverein melden, denn:

Gemeinsam sind wir stark und vieles kann noch besser werden!