Das Interesse gilt dem individuellem Schicksal

Ein kurzes Vowort zur folgenden „Tragödie“ – von Rüdiger Gollnick

Die folgende Geschichte über den ‚misslungenen Geldschmuggel’ dokumentiert zunächst einmal die enge Verbindung der Menschen im deutsch-niederländischen Grenzraum, hier vom unteren Niederrhein bis in den Bocholter Raum hinein. Man heiratet über die Grenze hinweg und wählt auch den Wohnort diesseits und jenseits. Das wird am Beispiel der Familiengeschichte Batens deutlich. Und wenn man wirtschaftlich unternehmungsbereit ist, ist die nationale Grenzziehung kein Hindernis. Diese Beziehungen werden aber in dem Augenblick eingeschränkt, ja behindert, wenn sich die politische „Großwetterlage“ ändert. Im konkreten Falle greifen die geänderten politischen Regeln und Gesetze direkt in das individuelle Handlungsfeld ein. Der Einzelne gerät in das Spannungsfeld zwischen individueller Freiheit und Interessenlage einerseits und staatlicher Zwangsverordnung sowie politischer Ideologie andererseits. Wilhelm Baten gerät zwischen die Mühlsteine einer Diktatur und verliert.
Der hier vorgestellte Fall lässt von der Dokumentenlage her die Möglichkeit offen, ob der initiierte Geldschmuggel einem jüdischen Mitbürger jenseits der deutschen Grenze helfen sollte oder ob nicht auch eigene finanzielle Interessen eine Rolle spielten. Beide Aspekte werden in den Dokumenten thematisiert.
Mich als Autor hat gerade das Thema fasziniert: Das Individuum zwischen den Mühlsteinen einer bzw. zweier Diktaturen: der nationalsozialistischen und der sowjet-russischen. Nach meinem im Jahre 2017 erschienenen Buch „Fremd im Feindesland – Fremd im Heimatland“ arbeite ich an dieser Thematik und publiziere darüber. Wen es interessiert – meine Homepage gibt darüber Auskunft: www.dr-gollnick.de und speziell: http://www.dr-gollnick.de/dr-gollnick.de/Niederrhein.html

Eine politische Hintergrundskizzierung
Am 1. August 1931 hatte der Reichspräsident von Hindenburg eine Notverordnung, veranlasst von der Regierung Brüning, zur Devisenbewirtschaftung erlassen (sog. Reichsfluchtsteuer). Das bedeutete, dass der Erwerb und der Gebrauch von ausländischen Geld-/Goldzahlungsmitteln sowie die Ausfuhr von Reichsmark nur noch beschränkt möglich oder genehmigungspflichtig waren bzw. sie wurden gänzlich untersagt. Ab dem 29. September 1934 durften nur noch zehn Reichsmark pro Person ausgeführt werden. Man erließ eine sog. Reichsfluchtsteuer, d.h. der Staat zog eine erhebliche Gebühr vom Vermögen der Auswanderungswilligen ein. Das Guthaben wurde auf einem Sperrkonto eingerichtet und konnte nun ins Ausland – nach Genehmigung – transferiert werden.

Nach der sog. „Machtergreifung“ durch die NSDAP und mit den diskriminierenden juristischen Gesetzen und wirtschaftlichen Boykott-Maßnahmen gegen die Bürger jüdischen Glaubens suchten immer mehr Betroffene nach Möglichkeiten, Deutschland zu verlassen. Sie mussten bei einer Auswanderung zusätzlich zur Reichsfluchtsteuer eine Sonderabgabe zahlen, die sog. Dego-Abgabe an die Deutsche Golddiskontbank. Die Abgabenhöhe auf den gesamten Vermögensbesitz (Geld/Gold, taxierte Immobilien und Mobilien usw.) erhöhte sich im Laufe der 30er-Jahre mit der zunehmenden Entrechtung und Verfolgung der jüdischen Mitbürger: August 1934 – 20 %; Oktober 1936 – 81 %; September 1939 – 96 %. Bis Ende 1933 wurde auswanderungswilligen Juden eine Mitnahme von 15.000 RM gestattet. Ab Oktober 1934 erfolgte keine Genehmigung mehr.

Ab dem 1. Dezember 1936 hatten die Landesfinanzämter das Recht, beim bloßen Verdacht der Vermögensverschiebung (z.B. Geld-/Goldschmuggel ins Ausland) einen Zugriff auf das Vermögen durchzuführen, ferner Einblicke in Grundbücher und Bankkonten zu nehmen. Darüber hinaus mussten Vermögensverhältnisse offen gelegt und angemeldet werden. Konnten die jüdischen Besitzer die hohen auferlegten Steuerabgaben letztlich nicht mehr zahlen, ging das Verfügungsrecht über den Besitz an den Staat über. Gelang ihnen die Flucht ins Ausland, wurden sie steckbrieflich gesucht und ihre Vermögen eingezogen. Nach der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 wurde den deutschen Juden im Reich mit der Verordnung vom 12.11.1938 eine Sondersteuer in Höhe von 1 Mrd. RM als Sühneleistung an das Deutsche Reich auferlegt.

Parallel zu dieser Entwicklung versuchten die Nationalsozialisten den weltanschaulichen Gegner – die katholische Kirche – trotz des geschlossenen Konkordats über juristische Prozesse öffentlich zu diskreditieren und zu bekämpfen (Prozesse wegen sog. Devisenschieberei gerade bei international tätigen Orden und die Sittlichkeitsprozesse). 1

Aus den Polizeiakten
Vor diesem Hintergrund muss der Versuch von drei Personen aus dem niederländisch-deutschen Grenzgebiet gesehen werden, ein Geldpaket in die Niederlande an den Behörden und den scharfen Devisengesetzen vorbei zu schmuggeln. Aus den Polizeiakten ergibt sich ein überaus interessanter Einblick in den Überwachungsstaat und die fast naive oder schlecht durchdachte Vorgehensweise der Schmuggler. Am 25. September 1938 wurde ein Protokoll (Eintrag Nr. I/159) bei der Polizei in Voerde (Niederrhein) aufgenommen:

„Freiwillig erscheint der Buchdrucker Heinrich Matten, 28 Jahre alt, in Friedrichsfeld, Poststr. 53, wohnhaft und erklärt: Am vergangenen Donnerstag betrat eine etwa 30jährige, mir völlig unbekannte Frau mein Geschäftslokal und händigte mir ein Paketchen aus, mit dem Bemerken, eine ältere, ihr unbekannte Dame habe es ihr auf dem Bahnhof in Essen gegeben, mit der Anweisung, es in dem Geschäft von Heinrich Matten in Friedrichsfeld, Poststr. 53, abzugeben. Angeblich befänden sich Rasierklingen darin. Da die angegebene Adresse richtig war, vermutete ich, daß in dem Paket ein Brief bzw. Zettel sei, der mir nähere Aufklärung geben würde, schon deshalb, weil ich doch nirgends Rasierklingen bestellt hatte. In Gegenwart der Überbringerin öffnete ich darum das Paket, welches in einem weißen Papier eingewickelt und ohne irgendeine Anschrift versehen war. Ich mußte feststellen, daß der Inhalt keine Rasierklingen, sondern nur Geldstücke waren. Die Nachzählung ergab, daß zehn Rollen zu je 200 RM Fünfmarkstücke und eine weitere Rolle zu 100 RM Fünf- und Zweimarkstücke in dem Paket waren. Die Überbringerin beteuerte, die Frau, von der sie das Paket bekommen und den Auftrag erhalten habe, es mir auszuhändigen, nicht zu kennen. Sie sei von ihr in Essen auf dem Bahnhof dieserhalb angesprochen worden. Für ihre Bemühung habe sie angeblich 1.- RM von der betr. Frau bekommen. Als sie sah, daß Geld in dem Paket war, tat sie ganz erstaunt und schließlich verlangte sie dann auch von mir eine Quittung darüber, daß sie das Geld abgegeben habe. Auf meine Frage, wer sie sei, um ihr die verlangte Quittung zu geben, sagte sie, sie heiße Meier. Wo sie herkam, sagte sie nicht, obwohl ich sie darum gefragt habe. Sie gab mir nur die ausweichende Antwort: „Das ist ja gleich“. Die Quittung, die ich ihr aushändigte, lautete: „Von Fräulein Meier ein Paket erhalten. Heinrich Matten.“ Die Frau hat sich sogleich entfernt und zwar begab sie sich sofort wieder zum Bahnhof. Mit dem Zuge 12,40 Uhr ist sie in Richtung Dinslaken wieder fortgefahren. Die Frau trug ein blaues Jackenkleid, blauen Hut und war schätzungsweise 30 Jahre alt. Sie hatte schwarzes Kopfhaar. Weiter kann ich über die Frau keine Einzelheiten sagen. Seitdem war niemand mehr bei mir, der nach dem Geld gefragt hat. V.g.u.: Gez. Heinrich Matten. G.w.o.: Gez. Reuters, Polizeimeister.“ 2

Am 26. September erfolgten zusätzliche Eintragungen, in denen Folgendes festgehalten wurde: Das Haus des Buchdruckers Heinrich Matten wurde unter Bewachung gestellt und ihm aufgegeben, sofort die Polizei zu verständigen, wenn nach dem Geld oder dem Paket gefragt würde. An diesem Tage wurde Matten vom Schwiegersohn seines Hausbesitzers Baten wegen des Päckchens angefragt, was Matten sogleich meldete. Daraufhin wurde der Schwiegersohn Batens, der selbstständige Bäcker Johann Elbers, geb. 28.11.1908 zu Suderwick, Krs. Borken, verheiratet, wohnhaft in Suderwick, Hellweg 25, verhaftet. Mit ihm wurde der Wirt Heinrich Tangelder, geb. 14.10.1879, zu Suderwick, Krs. Borken, verheiratet, wohnhaft in Suderwick 12, festgenommen, da er mit seinem Kraftwagen Johann Elbers nach Friedrichsfeld gefahren hatte. Tangelder gab im Verhör an, dass er nur sein Fahrzeug zur Verfügung gestellt habe, um ein Paket für Baten zusammen mit Elbers abzuholen. Elbers verneinte, Kenntnis vom Inhalt des Päckchens gehabt zu haben. Die zuständige Kripo-Stelle in Essen wurde benachrichtigt über die Beschlagnahmung von 2.100 RM in Hartgeld und über den Verdacht, dass der Installateur Wilhelm Baten aus Dinxperlo in Holland Hartgeld schmuggeln wollte.

5-Reichsmark Münze im Jahre 1937

Die Recherchen ergaben, dass Baten mit seiner Familie von 1906 bis 09.05.1932 in Friedrichsfeld, zuletzt in seinem Haus Poststr. 53 gewohnt hätte. Baten hätte hier viele Bekannte, würde sich öfter in Friedrichsfeld aufhalten und wäre sehr ortskundig, – deshalb auch die Adressenangabe an die Frau „Meier“. Wilhelmus Baten, Elektriker, geb. 17.09.1882 in Gendringen, wohnhaft in Dinxperlo/Holland, wurde zur Fahndung ausgeschrieben.

Von Essen erfolgte nun von der Zollfahndungsstelle die Mitteilung, dass der Betrag von 2.100 RM und der BMW-Kraftwagen des Tangelder beschlagnahmt und Johann Elbers und Heinrich Tangelder verhaftet wären. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass Baten Grundvermögen in Friedrichsfeld (Poststr. 53) und sich bisher häufiger in Friedrichsfeld aufgehalten hätte. Er wäre zur Fahndung ausgeschrieben.

Am 12. Oktober 1938 findet sich in der Voerder Polizeiakte folgende Eintragung des Beigeordneten an die Zollfahndungsstelle in Essen im Hinblick auf die Überbringerin der 2.100 RM, die dem Buchdrucker Matten ihren Namen mit Meier oder Meyer angab: „Ich habe festgestellt, daß zu Gunsten einer Firma „Hans Meyer o.H. in Essen, Huyssenallee 25,“ eine Hypothek auf dem Friedrichsfelder Grundstück des in Dinxperlo in Holland wohnenden Beschuldigten Wilhelm Baten eingetragen ist. Die Firma ist s. Zt. bei einer Zwangsversteigerung durch einen Hans Meyer persönlich vertreten worden, Meyer ist Jude. Es ist zu vermuten, daß das beschlagnahmte Hartgeld für diesen Juden von Baten nach Holland verschoben werden sollte, weil die Überbringerin des Geldes den Namen „Meyer“ angab. Jedenfalls ist eine Ermittlung in dieser Hinsicht zweckmäßig. Unterschrift.“

Geldwert
Zu der beschlagnahmten Geldmenge ist zu bemerken, dass diese aus Hartgeld bestand, nicht aus Papiergeld. Die Reichsmark (RM) war die offizielle Währung von 1924 bis 1948 im Deutschen Reich. Die Hartgeldmünzen von 2 RM und 5 RM waren Scheidemünzen und hatten einen halben Silbergehalt, weshalb sie von der Bevölkerung trotz Verbotes gehortet wurden. Durch Inflation oder Materialpreiserhöhungen konnte es passieren, dass der Materialwert der Münzen höher lag als der Nominalwert.

Die Kaufkraftäquivalenz einer Reichsmark wird von der Deutschen Bundesbank bezogen auf die Kaufkraft des EURO zum Stand Januar 2017 wie folgt angegeben: 1 Reichsmark 1924 = € 3,90 – 1 Reichsmark 1937 = € 4,103. Man kann also von einem Transfer von ca. 9-10.000 € ausgehen. Wenn man dann bedenkt, dass der jährliche (!) Durchschnittsverdienst eines Steuerpflichtigen im Jahre 1938 zwischen 1.500 und 2.000 RM (verh., 2 Kinder) lag, so war der Wert des Päckchens schon bedeutend.

Haus Baten

Ungereimtheiten
Was sich bei der polizeilichen Vernehmung ergibt, grenzt an entwaffnende Naivität oder schlampige Vorbereitung. Dass der Adressat mit dem Päckchen völlig überrumpelt und misstrauisch wird, ist vorhersehbar. Noch dazu durch den Hinweis, es seien Rasierklingen enthalten, wobei die Initiatoren ja nicht davon haben ausgehen können, dass er just zu diesem Zeitpunkt eine diesbezügliche Bestellung getätigt hatte. Zudem ist das Verhalten der jungen Frau und ihre Geschichte für Heinrich Matten schlechthin verdächtig und nich glaubwürdig. Dass sie darüber hinaus einen Namen nennt, der dann eine Verbindung der beiden Abholer Elbers und Tangelder mit Baten und einem Juden namens Meier oder Meyer in Dinxperlo ermöglicht, kennzeichnet den Dilettantismus des Geldschmuggels. Interessant ist nun, dass über den polizeilichen Blick in das Grundbuch eine mögliche Verbindung von Baten zu Meier/Meyer nahe liegt. Zudem sind die damaligen Wohnsitze von Baten und Meier/Meyer in Übereinstimmung. Aber erschwerend kommt jetzt hinzu, dass Meier/Meyer Jude ist. Für alle Beteiligten wird es nun vor dem Hintergrund der rassistischen Verfolgung jüdischer Menschen kritisch, da sie einen Geldschmuggel zu Gunsten eines Juden getätigt haben sollen.

Recherchen in der Gegenwart
Wie Frau Matten sen. mitteilt, ist die Anschrift des Hauses von Wilhelm Baten nicht Poststr. 53, sondern Poststr. 39. Heinrich Matten war damals als Schriftsetzer arbeitslos. Im Hause Poststr. 39 befand sich aber eine Druckerei, deren Besitzer ihm die Fortführung des Betriebes anvertrauen wollte, was Heinrich Matten gerne annahm, denn sein Bruder, den er dann einstellte, war Drucker. Am 1. März 1933 mietete er die Räumlichkeiten, die Wilhelm Baten gehörten. Nach dem Krieg überließ der Besitzer Heinrich Matten großzügig den Druckereibetrieb. Das Haus steht heute noch, worin sich ein Blumengeschäft befindet. Die Druckerei Matten existiert ebenfalls heute noch in der dritten Generation auf der Bülowstraße in Voerde-Friedrichsfeld. Das ehemalige Haus von Baten, heute Post-str. 39 in Voerde-Friedrichsfeld, liegt in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs.4

Recherchen hinsichtlich der festgenommenen Elbers und Tangelder und des zur Fahndung ausgeschrieben Baten haben ergeben:

Johann Elbers: geb. am 28. November 1908 in Suderwick 25, gest. am 21. Juli 1948 -Von Johann Elbers leben Nachfahren bzw. Verwandte heute noch in Suderwick. Heinrich Tangelder: Heinrich (Johann Heinrich) Tangelder, geb.: 14. Oktober 1879 in Suderwick 12, gest.: 18. Februar 1949 in Isselburg.5

Es leben mehrere Nachfahren bzw. Verwandte von Heinrich Tangelder in Suderwick. Er war Mitbegründer der Feuerwehr und des Sportvereins Viktoria 09 Suderwick. Zudem war er der Gastwirt der Wirtschaft TingelTangel, wo heute die Firma Keiten-Schmitz ansässig ist.6

D.H. Keuper übermittelte ein „curriculum vitae“ des Wilhelm Baten aus dem „bevolkingsregister Gendringen en Dinxperlo tot 1940“:

Wilhelmus Lambertus Baten, geb. Gendringen -17.09.1882 Sohn von Johan Baten u. Johanna Maria Derksen. Wilhelmus geht nach Wisch 16.06.1898, kommt nach Gendringen 12.05.1902; geht 14.11.1899 nach Bocholt (D), kommt zurück 08.05.1900; geht 28.10.1900 wieder nach Bocholt. In Dinxperlo kommt am 27.05.1932 Wilhelmus Lambertus Baten zurück von Friedrichsfeld mit Ehefrau Elisabeth Lindemann, geb. 02.02.1879 Spellen; Sohn Johannes Theodor geb. 03.01.1909 Spellen; Tochter Louise geb. 07.03.1910 Friedrichsfeld; Tochter Antonia geb. 13.07.1916 Friedrichsfeld; Sohn Erich geb. 08.12.1917 Spellen; Tochter Anna geb. 20.04.1919 Spellen. Die Familie hat in diversen Häusern in Dinxperlo gewohnt: A60; A112; A311; A353.

Wilhelmus Lambertus und Elisabeth gehen 22.07.1937 nach Geertruidenberg, kommen am 08.04.1938 wieder zurück nach Dinxperlo. Nach 1940 ist der Lebenskreis der Batens unklar.

Gregor Baten, ein Verwandter in Dinxperlo, hat aber noch ein Lebenszeichen von

Wilhelm Baten gefunden: „Wilhelmus lambertus baten heeft na 06-09-1949 aangifte gedaan van het overlijden van zijn vrouw.“ Baten zeigte demnach den Tod seiner Frau Elisabeth Lindemann (6. September 1949 in Geertruidenberg bei Rotterdam) an. Wilhelmus Baten ist nachweislich in niederländischen Registern eingetragen. Er wird als Elektriker verzeichnet. Die o.a. Orte Spellen und Friedrichsfeld sind heute Ortsteile der Stadt Voerde.

Juristische Konsequenzen: Friedrichsfelder Informanten geben an, dass Wilhelm Baten tatsächlich festgenommen wurde. Ob er in einem Gerichtsverfahren verurteilt worden ist, bleibt offen. Sicher ist aber, dass das Haus des Wilhelm Baten konfisziert wurde. Also muss von einer staatlichen Institution irgendeine Aktion/Strafe erfolgt sein.

Hans Meier oder Meyer
Der Empfänger der Geldsendung ist nicht mehr lokal oder biografisch nachweisbar. Sonja Rexwinkel gab den Hinweis, dass auf dem Gedenkstein für die jüdischen Opfer der Nationalsozialisten in Dinxperlo eine Jetta Meier verzeichnet ist, die deportiert wurde. Vielleicht ist sie die Witwe von Hans Meier?? Man muss es offen lassen, ob der gescheiterte Geldschmuggel zu Gunsten des jüdischen Niederländers Meier erfolgte. Da eine Hypothek auf dem Grundstück lastete (siehe Polizeibericht), besteht auch die Möglichkeit, dass Baten dem Gläubiger Meier/Meyer Geld überbringen wollte (?). Ob die Hypothek zum Zeitpunkt September 1938 noch eingetragen war, ist nicht zu ermitteln, wäre aber nicht auszuschließen. Eine andere Möglichkeit der Interpretation besteht darin, dass Baten dem Hans Meier schlechthin helfen wollte. Bei diesen Überlegungen wird immer davon ausgegangen, dass ein Hans Meier/Meyer in Dinxperlo lebte. Eine andere Möglichkeit ist die, dass Baten eigenes Kapital, das er in Deutschland erwirtschaftete, in die Niederlande für seine eigenen Zwecke bringen wollte. Friedrichsfelder Informanten halten das durchaus für möglich: Baten war ein umtriebiger, aktiver Mensch.

Quellen / Literatur

  1. Sabine Mecking: Verfolgung und Verwaltung. Die wirtschaftliche Ausplünderung der Juden und die westfälischen Finanzbehörden. http://www.westfaelische-geschichte.de/web398
    http://ns-quellen.at/gesetze_anzeigen.php
    https://de.wikipedia.org/wiki/Devisenstelle
    https://de.wikipedia.org/wiki/Dego-Abgabe
  2. Polizeiprotokoll Stadtarchiv Voerde – 31-08
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsmark, Fotos ebd.
    https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Standardartikel/Statistiken/kaufkraftvergleiche_historischer_geldbetraege.html#doc124142bodyText2
  4. Haus des Wilhelmus Baten in Friedrichsfeld, Foto: Gollnick
  5. Informationen v. G. Kamperschroer
  6. Informationen und Foto v. Charly Tangelder

Dank
Ein herzliches Dankeschön geht an den Heimatverein Bocholt-Suderwick mit seinem Vorsitzenden Johannes Hoven, der Informationen gab und Verbindungen zu weiteren Informanten herstellte: Gerd Kamperschröer, Henk Keuper, Sonja Rexwinkel, Charly Tangelder, André Tangelder.
Ferner an: Frau Matten sen., Buchdruckerei Matten, Voerde. Hugo Kuiper, Stichting Vrienden van de Aaltense Synagoge, Gregor Baten.
Der Stadtarchivarin Kirsten Lehmkuhl vom Stadtarchiv Voerde sei für die freundliche und effektive Zusammenarbeit Dank gesagt.