Kultur & Kunst in Suderwick
Die außergewöhnliche Situation und Lage des Ortes hat nach dem letzten Weltkrieg die Kreativität und Initiative der hier lebenden Menschen, trotz vieler Widrigkeiten nicht beeinflusst, vielmehr das Streben nach einem vereinten Europa wachgerufen.
Die Grenze hat, nicht nur durch die vielen wechselseitigen familiären Beziehungen, sehr schnell ihren Schrecken verloren. Unbeeinflusst vom dürflichen Charakter, gab es viele Menschen die sich politisch, sozial, gesellschaftlich, musisch, künstlerisch oder auf andere Weise für ihre Heimat und die Gemeinschaft eingesetzt haben.
Viele unentdeckte Talente die aus Berufung, nebenberuflich oder als Hobby, sich mit ungewöhnlichen Themen befassen oder Besonderes für die dörfliche Gemeinschaft geleistet haben, haben wir aufgespürt und wollen darüber berichten.

Kultur und Kunst im Heimatverein Suderwick
Johannes Hoven und Bernd Brennemann
erschienen in: UNSER BOCHOLT, 56. Jhrg. 2005, Heft 4, (S.36-38)

Sollte aus ihrer Sicht eine wichtige Persönlichkeit deren besonderes Engagement für die Nachwelt in Erinnerung bleiben sollte, in dieser Aufstellung fehlen geben sie bitte ihre Wünsche an den Heimatverein weiter.


 

Ignaz Wigger, geb. 14-08-1887 – gest. 28-04-1955
kath. Pfarrer an St. Michael, von 1939 bis 1955,
Ignaz Wigger wurde zu Beginn des 2. Weltkrieges, am 17. Dezember 1939, als Pfarrer der St.-Michael-Gemeinde in Suderwick eingeführt. Er stammte aus einer Bauernfamilie in Holtwick, Kreis Coesfeld, wo er am 14. August 1887 geboren wurde.
Am 6. Juni 1914 wurde er in Münster zum Priester geweiht. Danach war er 1914 Kaplan in Westerholt, 1924 in Lünen und 1925 in Henrichenburg.
1929 begleitete er seinen Bruder, der ebenfalls Priester war und in den USA arbeitete, zu einer einjährigen Amerikareise von New York bis San Francisco. Danach wurde er 1932 Vikar in Haltern und schließlich 1935 Pfarrektor in Oberhausen-Osterfeld.
In Suderwick betreute er seine Gemeinde in den Kriegs- und Nachkriegsjahren sowie bis zu seinem Tode in den schwierigen Zeiten der Annektion West-Suderwicks durch die Niederlande.
Pfarrer Wigger starb überraschend am 28. April 1955 im Bocholter Krankenhaus. Sein Grab befindet sich auf dem katholischen Friedhof von Suderwick.
Am 18. September 1975 wurde der vorherige Schulweg in Suderwick in Wiggerstrasse umbenannt.


Johannes Meis, geb. 18-5-1889 – gest. 14-11-1946
Pfarrer in der Evgl.-ref. Gemeinde Suderwick, von 1915 bis 1946,
Karl Johannes Meis wurde am 18. Mai 1889 in Barmen geboren. Nach dem Abitur studierte er in Erlangen, Marburg und Utrecht evangelische Theologie. Vor seiner Ordinierung im Juli 1914 arbeitete er als Hilfslehrer und Lehrvikar in Barmen sowie als Hilfsprediger in Viersen.
Am 1. August 1915 wurde er als Pfarrer der evangelisch-reformierten Gemeinde in Suderwick eingeführt. Ende desselben Jahres heiratete er Hanne Imhoff, die Tochter eines Kaufmanns aus Utrecht. Mit ihr hatte er vier Kinder. Insbesondere durch seine Erlanger Studien bei Professor Müller kann er theologisch in das pietistisch geprägte Reformiertentum des Niederrheins eingeordnet werden.
Pfarrer Meis betreute die reformierte Gemeinde in Suderwick in schweren Jahren. Beide Weltkriege und ihre jeweiligen Nachkriegszeiten durchlebte er mit seinen Gemeindemitgliedern. Sorgen und innere N�te haben ihn oft schwer bedrückt, insbesondere in den Jahren des Kirchenkampfes während der nationalsozialistischen Herrschaft. Damals war die Kirche vor die Existenzfrage gestellt, da das Presbyterium für die evangelisch-reformierte Gemeinde in Suderwick dem Beschluss der zweiten reformierten Synode bezüglich des Zusammenschlusses der bekennenden reformierten Gemeinden in Deutschland zugestimmt hatte. In einem früheren Beschluss des Presbyteriums vom Jahre 1933 stellten sich die Suderwicker klar gegen die „Deutschen Christen“, die nationalsozialistisch geprägt „die Befreiung von allem Undeutschen im Gottesdienst … und die Befreiung vom alten Testament mit seiner jüdischen Lehrmoral“ forderten. Damit hatte das Presbyterium in Suderwick eindeutig seine Position im Kirchenkampf festgelegt.
Diese und andere Belastungen kurz vor und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges führten mit zu seinem plötzlichen Tod am 14. November 1946.
Am 18. September 1975 wurde die Feldstraße in Suderwick in Johannes-Meis-Straße umbenannt.


Aloys Jansen, geb. 21-06-1898 – gest. 04-11-1980
Aloys Jansen, Mundart und Heimatdichter, war eine markante Suderwicker Persönlichkeit.
Neben seinem Beruf als Rendant der Suderwicker Spar- und Darlehnskasse e.G. war er Mitglied in fast allen Suderwicker Vereinen. Er war Mitgründer, Präsident und Ehrenpräsident des Suderwicker Bürger Schützenvereins 1919 e.V. Im Grenzland-Sportverein Viktoria Suderwick 09, in der Freiwilligen Feuerwehr und nicht zuletzt im Suderwicker Heimatverein schätzte man seine ehrenamtliche Mitarbeit. Ältere und jüngere Suderwicker erinnern sich an Aloys Jansen als gut informierten Ansprechpartner, wenn es um die eine oder andere heimatgeschichtliche Vergangenheit ging. Er konnte sich gut erinnern und Auskünfte geben.
„Geschichte der Heimat – Heimatgeschichten“- oder: „Aus der Mappe von Aloys Jansen“ hieß der Titel eines im April 1986 von Janna Knaak zusammengestellten und vom Suderwicker Heimatverein herausgegebenen Heftes.
Es enthält Erzählungen, Gedichte und ermutigende Briefe aus der Heimat an die Front, an „Liewe Surekse en Sporkse Saldaoten, zwar im Geist der damaligen Zeit, jedoch in köstlichem, unverwechselbarem „Sureks Platt“ wie es frogger en de Surek gesprochen wurde.


Albert Stolte, geb. 18-10-1904 – gest. 16-03-1975
Bürgermeister in Suderwick von 1965 bis 1975,
Albert Stolte wurde am 18. Oktober 1904 in Suderwick geboren. Er war von Beruf Kaufmann, betrieb aber eine Gastwirtschaft, die besonders in der Zeit der niederländischen Annektion West-Suderwicks für West-Suderwick Bedeutung hatte.
1963 zog er für die CDU in den Suderwicker Gemeinderat ein.
Von 1965 bis zur Eingliederung Suderwicks nach Bocholt 1975 war er Bürgermeister von Suderwick. Für seine kommunalen Verdienste erhielt er am 18. Oktober 1970 das Bundesverdienstkreuz.
Er starb im Anholter Krankenhaus am 16. März 1975.
Der Birkenweg im Ortsteil Suderwick wurde am 18. September 1975 in Albert-Stolte-Straße umbenannt, um an den letzten Bürgermeister Suderwicks zu erinnern.


Paul Wessling, geb. 03-03-1907 – gest. 14-12-1978
Bildhauer, Paul Wessling stammte aus einer Bocholter Bildhauerfamilie -schon der Großvater war Bildhauer- und vom Vater Hubert, der der Lehrmeister seines Sohnes war, stammte die den Bocholtern wohl noch bekannte Kolpingstatue vor der St.Georg-Kirche, die im Krieg zerstört wurde. Ein Bruder und sein Onkel Eduard waren ebenfalls Bildhauer.
Schon mit 13 Jahren musste der junge Paul in der Werkstatt seines Vaters als Schrifthauer für die damals nach dem ersten Weltkrieg zahlreich in  Auftrag gegebenen Kriegerdenkmäler tätig sein.
Seine künstlerische Ausbildung erfuhr er an der Essener Folkwangschule bei Professor Enseling.
Seit 1934 in Bocholt künstlerisch tätig,  geriet er 1946 in engl. Kriegsgefangenschaft, die er bis 1947 in einem Lager in Oldenburg verbrachte. Auch dort war er künstlerisch tätig und erstellte ein Kreuz welches an der Lagermauer angebracht war.
Nach Rückkehr aus der Gefangenschaft  errichtete Bildhauer Wessling sich ein Atelier an der Brockendorfstrasse in Bocholt, wo er ungestört seine zahlreichen Kunstwerke in Holz, Stein und Keramik schaffen konnte.
Zu seinen wohl wichtigsten Arbeiten darf man wohl die überlebensgroße, 2,60 m hohe Ludgerusstatue zählen die er 1956 für die Sporker Pfarrkirche St. Ludgerus schuf.

Aus einem 80 Zentner schweren Block Wrexener Sandstein aus dem Waldeckschen, der sich wegen seiner Eisenhaltigkeit, durch besondere Härte und Haltbarkeit auszeichnet, schuf der Künstler die Figur des ersten Bischofs, des Patrons der Sporker Pfarrkirche.

Paul Wessling war verheiratet mit Eugenia, geb. Ottenhof aus Denekamp (Twente, Prov. Overijssel, NL), dort haben sie auch geheiratet. Das Ehepaar hatte drei Kinder, Hubert (geb. 1940) Beatrix (geb. 1944) und Paul (geb. 1951). Von den Kindern hatte keiner Ambitionen an einer künstlerischen Tätigkeit.
Nach dem Tod von Paul Wessling, seine Grabstätte befindet sich auf dem kath. Friedhof in Suderwick, zog die Witwe zurück nach Denekamp.

Nach Rückkehr aus der Gefangenschaft wohnten die Wesslings zunächst, gegenüber dem Friedhof in Spork bis sie dann am 15-11-1952 nach Suderwick (Nr. 188, heute: Am Gemeindehaus 4) zogen. Das Atelier befand sich, nach wie vor, an der Windmühlenstrasse 3 in Bocholt.

Paul Wessling war mit dem Photographen und Künstler Fritz Pitz (1923 – 2006) befreundet.

Bei der Erstellung dieser Biographie konnte ich z.T. auf Aussagen von Personen zurückgreifen die Paul Wessling gekannt haben, hierfür mein herzlichster Dank. Den größten Teil der Informationen fand ich in alten Zeitungsartikeln, was die Erstellung einer Übersicht über das künstlerische Schaffen Wesslings nicht gerade erleichtert.

Eine Auflistung der Werke Paul Wessling habe ich in Angriff genommen, ich hoffe sie in den Wintermonaten fertig zu bekommen und online zu stellen.


Theo Deckers
Plattdeutscher Heimat-Dichter, Theo Deckers (Jahrgang 1933) verlebte seine Kindheit in seinem Elternhaus in Suderwick gegenüber dem damaligen „Spritzenhüsken“. Er hat seine Kindheitserinnerungen und das spannende dörfliche Leben an der Grenze in Gedichten und Geschichten festgehalten.
Seit 1962 wohnt er im niederländischen Breedenbroek, nur wenige Kilometer von Suderwick entfernt, auf der anderen Seite der ehemaligen Grenze.
Wie viele Suderwicker hat auch er ein niederländisches „Meisje“ geheiratet. Geschichten und Gedichte


Werner Brand
Maler und Literat, Werner Brand, (1949) geb. im Hunsrück, Schulzeit in Trier, Studien- und erste Berufsjahre in Bonn;
lebt seit 1996 schreibend, malend, sich und andere fortbildend in seiner vierten Heimat (Suderwick) zwischen Niederrhein, Westmünsterland und Achterhoek,
Mitglied und Autor der Zeitschrift für Literatur DICHTUNGSRING.
Gedichte,  weiter…


Dieter Elting
Maler (1939 – 2004)


Wilhelm Brüntink
Gründer: Suderwicker Kinderblasorchester